Es gibt eine Form von Anziehung zwischen zwei Personen, die sich intensiv, aufregend und fast überwältigend anfühlen kann. Sie ist stark und entsteht entweder noch bevor man sich zum ersten Mal gesehen hat oder während der ersten 3 Treffen.

In einer langjährigen Beziehung kommt diese Art der aufregenden Anziehung nicht vor. Sie entwickelt sich sehr schnell, mit einer hohen Intensität und gründet sich mehr auf Chemie, denn es werden starke Glücks- und Bindungshormone ausgeschüttet.

Diese Anziehung löst einen Kick und ein starkes inneres Hochgefühl aus. Aufregung, Nervosität und auch Unsicherheit sind dabei. Gleichzeitig ein intensives Sehnen nach dem Anderen, für ihn zu schwärmen.

Chemie entsteht schnell und hat eine starke Wirkung, doch sie ist kein tragfähiges Fundament für eine Beziehung. Und sie ist keine Liebe.
Ein häufiger Grund, warum Frauen im Dating immer wieder an die falschen Männer geraten und sich keine Beziehung entwickelt: 

Sie spüren eine starke Anziehung aufgrund von Chemie und wünschen sich daher eine Beziehung mit ihm. Doch oft lösen genau Männer, die ungeeignet für eine Beziehung sind, diese Art von starker Anziehung aus.

Gesunde Anziehung

Denn für eine gesunde Beziehung braucht es andere Qualitäten, die sich weniger aufregend anfühlen und keinen Kick auslösen, wie:

  • Konstante Zuverlässigkeit und Beständigkeit im Kontakt. Keine leeren Versprechungen oder Phasen von mehr als 3, 4 Tagen, in denen du nichts hörst und dich fragst, ob er ghostet.
  • Deine Grenzen werden respektiert, ohne großes Drama.
  • Er ist emotional verfügbar ist und du musst nicht immer wieder an seinen Absichten zweifeln.
  • Du fühlst dich sicher und gehalten.
  • Er will – genau wie du – eine ernsthafte Verbindung, und besitzt die Reife zu wissen, dass dazu auch Herausforderungen gehören und nicht nur Phasen von Leichtigkeit.

Es ist ein viel ruhigeres Gefühl und weniger intensiv, einfach gut behandelt zu werden. Du zerdenkst nicht ständig oder zweifelst an dir. Du hast nicht das Gefühl, dir Nähe und deinen Wert verdienen zu müssen oder nur körperlich begehrt zu werden. 

Es gibt keine extremen Tiefs, die auf extreme Hochs folgen, sondern mehr Kontinuität, die dir Sicherheit gibt und gesund ist.

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Warum Chemie kein gutes Zeichen ist

Wenn wir jemanden kaum kennen – nach wenigen Treffen – und sofort eine starke Anziehung spüren, dann entsteht diese oft eher aus Projektion: aus dem, wie wir uns vorstellen, dass er sein könnte, als auf tatsächliche Realität.

Wenn wir ihn nicht gut kennen, füllt unser Gehirn automatisch und unterbewusst alle diese Lücken, mit unseren Wunschvorstellungen, wie der Partner sein soll. Deswegen fühlt es sich auch so intensiv an: Weil es uns so erscheint, als sei er derjenige, der unsere tiefsten Sehnsüchte erfüllt. Wir hätten endlich den richtigen Partner gefunden, der uns all das gibt.

Daran ist an sich nichts Schlimmes, solange wir klar erkennen, dass dieses Gefühl nicht die Wahrheit, sondern unsere Vorstellung ist. Es ist nicht die Realität. Und so lange wir uns noch mehr Zeit lassen, ihn wirklich kennenzulernen, bevor wir uns für ihn entscheiden.

Frauen verlieben sich – mehr als Männer – im frühen Kontakt oft in das Potenzial des anderen, bevor sich zeigt, wer er wirklich ist.

Wenn wir wollen, was wir nicht haben können

Starke Anziehung aufgrund von Chemie entsteht auch, durch das Gefühl, den anderen nie wirklich haben zu können. Wie bei On-Off-Beziehungen, auch längeren, lockeren Affären, Sex- und Bettgeschichten oder auch Kennenlernphasen, in denen Frauen immer auf etwas Ernstes hoffen:

Es wechseln sich Phasen intensiver Nähe ab – manchmal auch aufregendem Sex – mit Zeiten des Rückzugs und der Distanz, in denen die Verbindung abbricht.

Nähe und Kontakt sind nicht konstant, sondern von Extremen geprägt: auf extreme Nähe folgt extreme Distanz – bis hin zu: Wird er sich überhaupt wieder melden? Hat er eine andere? Hat er das Interesse verloren? usw.

Die Distanzzeiten werden häufig über die Zeit länger, während die Nähephasen immer kürzer werden. Damit wird ein Kreislauf ausgelöst, der auf eine Art „süchtig“ macht: Wenn man sich nah ist, werden Bindungs- und Glückshormone ausgeschüttet.

Und in Distanzphasen setzt ein Entzug dieser Hormone ein. Dadurch verliert eine Frau ihre innere Klarheit und tut Dinge, die sie bei ruhiger Betrachtung nicht getan hätte – wie ihm mehrfach zu schreiben oder anzurufen, obwohl von ihm nichts kommt.

Wenn er sich dann doch wieder meldet, fühlt sie eine Erleichterung, aber nicht, weil echte Sicherheit entstanden ist, sondern weil ein innerer Mangel kurz gestillt wird. Und dann geht der Kreislauf aus Nähe und Distanz oft wieder von vorne los.

Damit nährt sich diese Anziehung aus dem Begehren dessen, was man nicht haben kann. Aus Unverfügbarkeit. Aus einer tiefen Unsicherheit darüber worauf das Verhältnis hinausläuft. Aus Nicht-Wissen, woran man ist, Warten, Hoffnung, Projektion und Drama.

Aus dem Moment, in dem sich jemand endlich meldet – und der Körper darauf mit Erleichterung, Spannung und Ausschüttung von Glückshormonen reagiert. Das ist Chemie, nicht gesunde Liebe.

Vor allem unverfügbare Männer oder Männer mit Bindungsangst lösen diese Art der Anziehung aus. Weil sie immer ein Gefühl von „nicht ganz haben können“ erzeugen.

 

Warum es bei gesunder Liebe keine Sehnsucht gibt

Eine gesunde Beziehung beginnt nicht mit Anziehung aus Chemie. Und die Anziehung, die bei gesunder Liebe entsteht, beruht nicht darauf:

  • für ihn zu schwärmen, weil er so toll aussieht
  • dass er so intensive Gefühle auslöst, die dich denken lassen, er wäre dein Seelenverwandter, obwohl ihr euch erst wenige Male getroffen habt
  • der Vorstellung, dass andere dich um ihn beneiden würden
  • oder dass er würde dich „aufwerten“ würde

Stattdessen fühlt sich das erste Kennenlernen eher unspektakulär an, wenn sich etwas Gesundes entwickelt. Oft sogar langweilig, wenn wir nur Anziehung durch Chemie kennen.

Alles ist viel ruhiger und die Gefühle entwickeln sich nicht schnell und stark, sondern langsam und kontinuierlich mit fortschreitendem Kennenlernen.

Weil hier kein Element von Verlust eine Rolle spielt und er sich nicht immer wieder entzieht, gibt es keine durch Verlustangst ausgelösten Entzugsphasen. Und keine Dopamin-Kicks, aufgrund von Erleichterung.

Deshalb lohnt es sich, nicht nach dem ersten Date zu entscheiden, sondern zuerst mehrere Treffen zu erleben. Und dabei mehr zu beobachten, bevor du eine Entscheidung darüber triffst, ob du Potenzial für eine Beziehung in ihm siehst.

Denn eine gesunde Beziehung entsteht nicht in den ersten Begegnungen. Sie wächst langsam, Schritt für Schritt, durch achtsames Aufeinander-Zugehen und kontinuierlichen Aufbau von Bindung über Wochen und Monate.

Wenn Frauen immer wieder Verbindungen anziehen, die stark auf Chemie basieren oder aus einem Chemie-Verhältnis mit einem Mann nicht herauskommen (obwohl es ihr nicht guttut) ist es eine Sache des „Umlernens“. 

Gesunde Liebe bewusst zu lernen – auch auf Ebene des Nervensystems. Wenn du dir in diesem Prozess Begleitung wünschst, kannst du dich jederzeit für ein Coaching bei mir melden.

Alles Liebe,

deine Caroline

letzte Aktualisierung: Dezember 2025

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Caroline Höchtl - Beziehungscoach
Caroline Höchtl

Beziehungs- & Singlecoach

Ich bin Caroline, zertifizierter Lifecoach, und begleite Frauen zu mehr Selbstwirksamkeit und weiblicher Stärke in Beziehungen zu Männern. Im intensiven Einzelcoaching unterstütze ich dabei, hinderliche Muster loszulassen und die Basis für eine erfüllte, glückliche Beziehung zu schaffen.

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