Ich arbeite in meinen 1:1 Coachings viel mit der systemischen Teilearbeit – weil sie sich als eine der wirksamsten Methoden zur Lösung von Beziehungsproblemen erwiesen hat. (Man kann damit alle möglichen Themen ebenso effektiv angehen, aber mein Fokus liegt ja auf Partnerschaft und Dating.)

Für Interessierte möchte ich die Methode vorstellen, damit man sich etwas besser vorstellen kann, wie ich arbeite.

Was ist die Arbeit mit inneren Anteilen?

Die Teilearbeit wird auch Arbeit mit dem inneren Team oder Ego-State-Arbeit genannt. Sie ist eine Methode aus der systemischen Therapie, bei der man mit den verschiedenen „inneren Anteilen“ einer Person arbeitet. Also mit den verschiedenen Stimmen, Gefühlen oder Persönlichkeitsaspekten, die in uns wirken und manchmal im Widerspruch zueinanderstehen.

Jeder Mensch besteht innerlich nicht nur aus „einem Ich“, sondern aus vielen inneren Anteilen – an einem typischen Beispiel wird dies deutlich: 

Eine Freundin bittet dich um Hilfe. Du merkst, dass du eigentlich keine Kapazitäten hast – du bist müde, brauchst Ruhe oder hast selbst etwas Wichtiges vor. Ein Teil in dir will es ihm recht machen, ein anderer Teil fühlt sich verpflichtet und hat ein schlechtes Gewissen, wenn du Nein sagst.

systemische Teilearbeit

Diese Persönlichkeitsanteile können in bestimmten Situationen miteinander in Konflikt geraten, wie im oberen Bild der Fall.

Das Ziel der Teilearbeit ist es, die verschiedenen inneren Anteile bewusst wahrzunehmen und ihnen mit Mitgefühl und Liebe zu begegnen. Deshalb ist diese Methode besonders sanft. Es geht darum, die Funktion und Geschichte dieser Anteile zu verstehen, ihre Bedürfnisse zu erkennen und Konflikte zwischen ihnen aufzulösen. 

Wenn das gelingt, entsteht innerer Frieden und Klarheit. Entscheidungen fallen leichter, Grenzen lassen sich klarer setzen, und alte, destruktive Muster können nachhaltig durchbrochen werden.

Wann ist die systemische Teilearbeit das Richtige?

Die Teilearbeit ist ideal bei komplexen Beziehungsproblemen – mit denen Frauen oft zu mir kommen – und für diejenigen, die wirklich in die Tiefe gehen wollen. Sie eignet sich besonders gut für alle, die keine oberflächlichen Lösungen wollen, sondern ihre Beziehungsmuster nachhaltig verändern möchten. 

(Was nicht bedeutet, dass die Ergebnisse immer lange dauern – Veränderungen können sich mit der systemischen Teilearbeit auch schnell einstellen.)

Diese Methode ist besonders hilfreich, wenn Frauen mit dem Verstand längst begriffen haben, was das Problem ist – sich aber trotzdem nichts verbessert. Immer dann, wenn der Kopf etwas will, wir es aber nicht umgesetzt bekommen, kann die Arbeit mit den inneren Anteilen helfen.

Oder auch das Gegenteil: Wenn noch völlig unklar ist, was das Problem ist und man selbst noch im Dunkeln tappt, was genau eigentlich los ist. Weil scheinbar nichts einen Sinn ergibt.

Auch bei emotionalen Blockaden – immer dann, wenn wir uns etwas wünschen, es aber einfach nicht erreichen. Sei es eine glückliche Partnerschaft oder der Ausstieg aus destruktiven Beziehungsmustern, in denen wir uns immer wieder finden, obwohl wir sie eigentlich gar nicht wollen.

Oder wenn wir immer und immer wieder in denselben Situationen landen, egal wie sehr wir strampeln und versuchen es anders zu machen.

Die Arbeit mit dem Unterbewusstsein

In diesen Situationen blockiert das Unterbewusstsein, deswegen kommt man mit dem Bewusstsein nicht weiter. Wäre es bewusst lösbar, hätten diese Frauen ihr Problem längst gelöst.

Unser Unterbewusstsein steuert 80-95% unserer Gedanken, Handlungen und Gefühle (hier gehen die Zahlen etwas auseinander, aber es steuert auf jeden Fall sehr viel).

Immer dann ist die Arbeit mit den inneren Anteilen genau das Richtige, denn sie arbeitet mit dem Unterbewussten.

Typische Anwendungsfelder der Teilearbeit in Beziehungen & Dating

Die Arbeit mit den inneren Teilen ist vielseitig anwendbar, hier nur ein paar Beispiele:

Konflikte & Beziehungsdynamiken

  • Immer wiederkehrende, scheinbar unlösbare Konflikte
  • Die Neigung, Konflikte zu vermeiden – aus Angst vor Ablehnung oder Eskalation
  • Übermäßiges Reagieren auf Rückzug des Partners
  • Permanentes Gedankenkreisen um das Verhalten des Partners
  • Untreue / Fremdgehen
  • Das Gefühl, oft nicht das zu tun, was einem selbst und der Beziehung guttun würde

Ängste & Unsicherheiten

  • Schwierigkeiten, Vertrauen aufzubauen
  • Verlustangst, ständige Angst, vom Partner verlassen zu werden
  • Angst, verletzt zu werde
  • Frustration darüber, keinen passenden Partner zu finden
  • Kontrollverhalten

Bindung & Nähe

  • Bindungsangst oder Klammern
  • Die Überzeugung, dass Nähe immer mit Schmerz verbunden ist
  • Emotionale Abhängigkeit

Selbstwert & Identität

  • Zu nett sein, auch wenn es zu Lasten des eigenen Wohls geht
  • Das Gefühl, nicht gut genug oder nicht liebenswert zu sein
  • Eifersucht
  • Der Glaube, sich Liebe verdienen zu müssen
  • Immer Harmonie herstellen zu müssen – selbst wenn es auf eigene Kosten geht
  • Schuldgefühle

Bedürfnisse & Grenzen

  • Schwierigkeiten, eigene Bedürfnisse klar zu äußern
  • Nicht für sich einstehen oder keine klaren Grenzen setzen können
  • Nicht zu wissen, was richtig ist, und deshalb festzustecken
  • Immer wieder an die „falschen“ Männer zu geraten
  • Vom Partner schlecht behandelt zu werden und in der Situation zu sein, dass der Partner sich nicht für die eigenen Bedürfnisse interessiert

Und vieles, vieles mehr. Im Prinzip gibt es keine Problematik, die man nicht mit dieser Methode bearbeiten kann.

Arbeit mit inneren Persönlichkeitsanteilen bei Beziehungsproblemen

Wie funktioniert die Teilearbeit?

Bindungsangst ist ein typisches und häufiges Beispiel für einen inneren Konflikt, den ich im Coaching durch Arbeit mit den Persönlichkeitsanteilen bearbeite – hier ein Fall aus der Praxis:

Wir nehmen eine Situation, in der ich merke, dass Bindungsangst das Muster ist. Ich frage, was die Gedanken und Gefühle in der Situation sind. Ich bitte die Klientin, mir zu sagen, was sie fühlt, so arbeiten wir die Anteile heraus.

Sie sagt zum Beispiel: „Ich will eine Beziehung, aber ein Teil von mir hat Angst davor.“

Ich sage: „Ok, da ist ein innerer Anteil, der sich eine Beziehung sehr wünscht und ein anderer Anteil, der Angst hat. Wovor hat der zweite Anteil Angst?“

Sie sagt: „Er kriegt sofort Panik und sagt: Das machen wir nicht, das wird gefährlich. Du verlierst dich und wirst abhängig.“

Ich sage:Kannst du diesen Teil beschreiben?“

Klientin: „Er fühlt sich an wie ein Wächter. Er ist hart, streng, irgendwie männlich… Er steht gefühlt direkt zwischen mir und anderen. Wie ein Türsteher.“

Ich: „Sehr gut und was glaubt dieser Wächter, wovor er dich beschützen muss?“

Klientin: „Er will nicht, dass ich wieder verletzt werde. Ich glaube, er erinnert sich an früher… An meine erste Beziehung, in der ich alles gegeben habe und mich so angestrengt habe, damit er mich liebt, dass ich mich selbst völlig aufgegeben habe. Und dann hat er mich hintergangen und betrogen. Das war schrecklich für mich damals.“

Ich: „Das macht Sinn. Er will dich also davor schützen, verletzt zu werden. Er meint es gut, auch wenn er dich heute blockiert.“

Klientin: „Ja, ich merke gerade, ich kann ihm gar nicht böse sein. Er hat mich wirklich oft „gerettet“.“

Ich: „Frag ihn mal: Was bräuchtest du, damit du mir erlaubst, heute anders zu reagieren?“

Klientin: „Er sagt… ich soll ihn nicht einfach ignorieren. Er will, dass ich achtsamer mit mir bin. Und dass ich wirklich prüfe, ob mir ein Mann guttut – und nicht wieder alles von mir nimmt und mich ausnutzt.“

Ich: „Das ist ein wertvoller Hinweis. Stell dir vor, beide Teile – der Teil, der sich eine Beziehung wünscht, und der Wächter, der schützen will – könnten miteinander reden. Was würden sie sich sagen?“

Klientin: „Der Beziehungsteil würde sagen: Ich will einfach nicht mehr alleine sein. Ich wünsche mir Nähe, Liebe, Geborgenheit.

Und der Wächter würde sagen: Ich verstehe das. Aber ich will dich nicht wieder so leiden sehen wie früher. Ich bin nicht gegen Liebe – nur gegen blinde Hingabe.“

Ich: „Sehr gut, sie nähern sich an – und sie haben festgestellt, dass sie gar nicht unbedingt gegeneinander sind, weil sie beide wollen, dass es dir gut geht. Frag sie doch einmal, ob ein Kompromiss möglich wäre. Einer, bei dem du dich langsam öffnest – Schritt für Schritt. Währenddessen bleibt der innere Wächter aufmerksam und sorgt dafür, dass du dich nicht unüberlegt in etwas reinstürzt. Wenn nötig, kann er dich rechtzeitig warnen, falls du dabei bist, zu viel von dir zu geben. Was sagen beide dazu?“

Klientin: Der Wächter sagt: Ja. Wenn ich merke, dass du auf dich achtest – dann kann ich einen Schritt zurücktreten. Und der Beziehungsteil sagt auch: Ja, das können wir mal versuchen.“

So kann es zu einer Einigung kommen. Es geht nicht darum, einen Teil loszuwerden – sondern sie in Beziehung zueinander zu bringen, sodass sie nicht mehr gegeneinander sind, sondern zusammenarbeiten.

Das ist ein stark vereinfachtes Beispiel, in Zeitraffer skizziert. In der Regel sind die Teile sehr viel skeptischer und es braucht mehrere Sitzungen über einen längeren Zeitraum – gerade bei Bindungsangst.

Manchmal sprechen Teile am Anfang gar nicht und es muss erst über mehrere Stunden eine Beziehung zu ihnen aufgebaut werden. Das ist nicht falsch oder schlimm, alles ist in Ordnung. Druck bringt nichts, man muss ihnen Zeit geben. Es dauert so lange wie es dauert und das ist gut so.

Du musst nichts mitbringen oder können

Damit diese Methode funktioniert, musst du weder Vorwissen mitbringen, noch etwas können. Alles das ist meine Aufgabe als Coach. Ich arbeite heraus, was wichtig ist.

Ich liebe die Teilearbeit, nicht nur, weil sie tief geht und gleichzeitig enorm wirkungsvoll ist. Sondern auch, weil sie sogar richtig Spaß machen kann. Es ist ein unglaublich spannender Weg, sich selbst besser kennen und verstehen zu lernen.

Manchmal ist es emotional sehr bewegend und traurig. Und manchmal ist es unterhaltsam und richtig lustig – weil alle diese inneren Anteile wie eigene kleine Persönlichkeiten haben. Einige sind skeptisch-genervt, andere trotzig, wieder andere reagieren irritiert oder fröhlich und sagen Sachen, bei denen man lachen muss.

Das macht die Arbeit nicht nur heilsam, sondern auch lebendig und menschlich. Wenn Lust hast an deinen Beziehungsthemen mit der Methode der Persönlichkeitsanteile zu arbeiten, dann schick mir eine Anfrage für ein 1:1 Coaching.

Alles Liebe,

deine Caroline

Beziehungscoach Caroline Höchtl
Caroline Höchtl

Beziehungs- & Singlecoach

Ich bin ausgebildeter und zertifizierter Life Coach und blogge über alles zum Thema Beziehungen und Weiblichkeit. 

Ich arbeite mit Frauen, die durch Verbindung mit ihrer Weiblichkeit die Beziehung zu ihrem Partner verbessern wollen oder einen Partner anziehen wollen.

Ich lebe eine sehr glückliche und erfüllte Beziehung mit meinem Partner.

Titelbild: Foto von andrew welch auf Unsplash

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