Beziehungen sind sehr komplex und die Situationen sind selten schwarz oder weiß. Zwischen zwei Menschen entstehen Dynamiken, zu denen beide ihren Teil beitragen, größtenteils unbewusst.

Nach der systemischen Lehre ist eine Beziehung ein lebendiges System, in dem sich beide Partner gegenseitig beeinflussen. Deshalb kann sich die Dynamik verändern, wenn eine Person beginnt, sich selbst zu verändern.

Dies hat eine Wechselwirkung auf den Partner. So ist es manchmal in einer komplizierten Beziehung nicht leicht zu erkennen: Bin ich das Problem in der Beziehung oder er?

Und in den allermeisten Fällen ist die Antwort auch: Beide tragen ungewollt ihren Teil bei.

Wie finde ich heraus, ob ich das Problem in der Beziehung bin oder er?

Wenn du dich also in einer unglücklichen oder komplizierten Beziehung befindest und dich fragst, an wem es liegt, lässt sich das nur so herausfinden:

(Das ist auch der Prozess, den ich mit Frauen im 1:1 Coaching gehe)

Du kehrst zuerst auf deiner Seite der Straße, denn nur darauf hast du Einfluss. Du arbeitest an allem, was du potenziell zu einer ungesunden Dynamik beiträgst – was das ist, dazu komme ich weiter unten.

Dann beobachtest du, wie sich dein Partner und die Beziehung verändert. Wie reagiert er auf dich, wenn du plötzlich ein anderes Verhalten zeigst? Das wird dir deine Antwort geben.

Das bedeutet, du kannst es nur über die Zeit herausfinden. Deine Veränderungen brauchen Zeit und in seinen Reaktionen eine Tendenz zu erkennen ebenfalls. Das ist ein Marathon, kein Sprint.

Wie Frauen zu einer ungesunden Dynamik in einer komplizierten Beziehung beitragen

Hier sind die häufigsten Punkte, an denen Frauen auf ihrer Seite der Straße und unabhängig vom Partner ansetzen können, um die Beziehung zu verbessern:

Entmännlichung

Respektvolle Behandlung ist ein Grundbedürfnis für Männer in einer Beziehung. Wenn er sich nicht als Mann respektiert fühlt, wird er sich auch nicht um die Beziehung bemühen.

Zu den subtilen aber schädigenden Verhaltensweisen, wie Frauen Männer entmännlichen, gehört:

  • ihm seine Fehler vorhalten
  • Vorwürfe, die suggerieren, dass er Dinge nicht richtig macht/zu unfähig ist
  • Beschwerden und Kritik an seiner Art die Dinge zu tun
  • ihn zu verbessern, wenn er etwas falsch gemacht hat
  • Dinge, die er getan hat, selbst besser zu machen und ihn das wissen zu lassen
  • herablassend über ihn oder Männer im Allgemeinen zu sprechen
  • ihn zu bemuttern und überfürsorglich zu sein
  • ihn vor anderen Person schlecht darzustellen, kleinzumachen oder sich über ihn lustig zu machen

Das Buch „The Queen’s Code“ von Alison Armstrong ist dazu eine hervorragende Lektüre, die ich nur empfehlen kann.

Sich selbst aufzugeben und hyperfokussiert auf den Partner zu sein

Viele Frauen verlieren sich selbst und den Fokus auf sich (oder hatten ihn von Anfang an nicht) und sind nur auf den Partner und die Beziehung fokussiert. 

Sie sind oft zu sehr darauf ausgerichtet, dem Partner zu gefallen, es ihm recht zu machen und Konflikte zu vermeiden. Außerdem machen sie ihr Wohlbefinden vom Partner und der Beziehung abhängig. Dadurch verlieren sie ihr eigenes Leben aus dem Blick.

Langfristig entsteht dadurch emotionale Abhängigkeit und ungesunde Beziehungsdynamiken, in denen der Mann den Respekt verliert und die Anziehung nachlässt. Der Umgang kann respektloser und weniger wertschätzend werden und auch Grenzen werden überschritten.

Konflikte vermeiden und Dinge runterschlucken

Dies hängt eng mit dem vorherigen Punkt zusammen: Dinge herunterzuschlucken aus Angst für sich einzustehen oder um „des lieben Friedens willen“ dient der Beziehung nicht.

Du wirst dich zunehmend ausgebeutet und nicht gesehen fühlen und es staut sich Groll und Verbitterung gegenüber deinem Partner auf. Verbitterung und Groll führt zu immer mehr Trennung in der Beziehung, wenn diese Themen nicht ausgesprochen werden.

Zu viel geben

Auch zu viel zu geben schadet der Beziehung. Zum einen killt es die Anziehung, weil Männer der gebende Part in Beziehungen sind und Frauen der Empfangende (mehr darüber erfährst du hier: Die Wirkung von Polarität zwischen Mann und Frau).

Viele Frauen sagen zwar, dass sie ohne Erwartungen geben, aber oft zeigt sich, dass sie insgeheim doch auf etwas hoffen: eine bestimmte Reaktion, eine Antwort, eine Geste oder mehr Interesse von ihm. 

Bleibt das aus, entsteht Enttäuschung, weil die unausgesprochenen Erwartungen nicht erfüllt wurden.

Frauen geben oft unbewusst, in der Hoffnung, dadurch mehr Liebe zu bekommen und das funktioniert nie. Darüber habe ich ausführlich in diesem Artikel geschrieben: Das Helfersyndrom: Wenn Frauen zu viel geben.

Klammern und ständig Nähe zu suchen

Oft haben Frauen das größere Bedürfnis nach Nähe in einer Beziehung und können damit den Mann unter Druck setzen, indem sie oft mehr Nähe verlangen. 

Diese Dynamik verstärkt sich häufig so, dass einer umso mehr auf Distanz geht, je mehr der andere Partner Nähe einfordert. Und je mehr jemand sich zurückzieht, desto mehr klammert der andere. Ein Teufelskreis entsteht. 

In diesen beiden Artikeln habe ich beschrieben, wie man diesen Teufelskreis stoppen kann:

Nähe-Distanz-Problem: Ich will Verbindung, er will Distanz

Ängstlich gebundene Frauen und Männer mit vermeidendem Bindungsstil

Eifersucht oder Kontrolle, um sich sicherer zu fühlen

Bist du eifersüchtig und fragst oft nach, wo er war und mit wem? Oder kontrollierst du, ob das, was er gesagt hat, auch stimmt, um dich sicherer zu fühlen?

Sofern er dir keinen Anlass für deine Eifersucht gegeben hat, ist dies unfair deinem Partner gegenüber, weil er nichts dafürkann und von dir eingeengt wird. Außerdem schadet es wieder der Anziehung und macht dich unattraktiv in seinen Augen.

Wenn du sehr eifersüchtig bist, ist es zunächst deine Aufgabe, dafür Verantwortung zu übernehmen und anzuerkennen, dass es dein Thema ist – nicht seins. 

Die Lösung liegt deshalb nicht bei ihm, sondern bei dir selbst. Du kannst dieses Thema für dich aufarbeiten, zum Beispiel in einem Coaching.

Die eigenen Bedürfnisse nicht klar kommunizieren

Es ist die Verantwortung jedes Partners die eigenen Wünsche und Bedürfnisse klar zu kommunizieren. Nur so entsteht eine Beziehung auf Augenhöhe. 

Viele Frauen haben gelernt, ihre Bedürfnisse nicht direkt auszusprechen, sondern sie eher indirekt durch subtile Manipulation, Schuldgefühle oder Schmollen erfüllt zu bekommen.

Doch das belastet die Beziehung und funktioniert auch nicht. Erwarte nicht von ihm, dass er deine Gedanken liest oder spürt, was du brauchst. Das ist nicht seine Verantwortung, sondern es ist deine Verantwortung hier klar aufzutreten.

Grenzen nicht setzen, aus Angst vor Ablehnung

Oft denken wir, Grenzen schaden der Verbindung, verletzen den anderen oder wir werden abgelehnt, weil wir zu „empfindlich“ sind.

Doch langfristig stellen Grenzen eher das Gegenteil sicher: Dass eine Beziehung gesund bleibt. Fehlende Grenzen sind ein Hauptfaktor für ungesunde Beziehungen, weil Partner dadurch ihre Eigenständigkeit verlieren und emotionale Verstrickung entsteht, statt stabiler, respektvoller Nähe.

Jede soziale Beziehung braucht Grenzen – nicht nur Paarbeziehungen – weil sie für Klarheit, Respekt und Orientierung sorgen. Und wenn du deine Grenzen nicht klar kommunizierst, gibst du dem anderen auch nicht die Chance sie zu respektieren.

Wenn du dich also in einer komplizierten Beziehung befindest, reflektiere, ob du Grenzen und Bedürfnisse klar kommunizierst.

Ständige Bestätigungssuche

Auch ständige Bestätigungssuche aufgrund eines schlechten Selbstwertgefühls belastet den Partner und die Beziehung. Wenn du immer wieder die Versicherung brauchst, dass er dich noch liebt und attraktiv findet, wirkt das bedürftig

Auch Vergleiche mit anderen Frauen oder das Überinterpretieren von Distanz („Du hast nicht sofort geschrieben – ist alles okay mit uns?“) turnt Männer ab, weil es nicht von Selbstwert zeugt.

Damit verlangen Frauen von ihrem Partner eine Sicherheit, die sie sich eigentlich selbst geben müssten – und für die er nicht zuständig ist.

In einer komplizierten Beziehung Klarheit finden

Wenn du diese Verhaltensweisen größtenteils nicht zeigst, dann trägst du von deiner Seite aus nichts bei, was die Beziehung schädigt. (Und es geht hier nicht um Perfektion, jeder kritisiert mal.)

Reagiert er trotzdem negativ – geht in den Widerstand, benutzt dich als Sündenbock, wird wütend, stellt sich als Opfer dar oder setzt dich unter Druck –, wird klar: Das ist keine Folge deines negativen Verhaltens, sondern wer er ist.

Und falls du manche dieser Verhaltensweisen stärker bei dir erkennst, weißt du jetzt, woran du arbeiten kannst. 

Wenn du dich in einer komplizierten Beziehung befindest und dir jemanden an deiner Seite wünschst, um zu erkennen, was du verändern kannst, um zur Verbesserung der Beziehung beizutragen: Melde dich gerne bei mir für ein Coaching:

Alles Liebe,

deine Caroline

letzte Aktualisierung: Februar 2026

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Caroline Höchtl - Beziehungscoach
Caroline Höchtl

Beziehungs- & Singlecoach

Ich bin Caroline, zertifizierter Lifecoach, und begleite Frauen zu mehr Selbstwirksamkeit und weiblicher Stärke in Beziehungen zu Männern. Im intensiven Einzelcoaching unterstütze ich dabei, hinderliche Muster loszulassen und die Basis für eine erfüllte, glückliche Beziehung zu schaffen.

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