Viele Frauen tun sich schwer damit, von Männern anzunehmen – aus verschiedenen Gründen: Einem falschen Verständnis von Beziehungen und der männlichen Psyche, Schuldgefühlen und dem Wunsch die Kontrolle nicht aufzugeben, bis hin zu Prägungen über Unabhängigkeit.
Doch genau Empfangen zuzulassen ist entscheidend um Polarität aufzubauen, für Anziehung und eine erfüllte Beziehung. Wenn du lernst, nicht mehr zu viel zu geben, sondern wertzuschätzen, was er tut, kommst du in die weibliche Rolle.
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ToggleWenn wir bei ihm sind und mein Freund kocht, liege ich meistens auf der Couch und lese entspannt mein Buch oder wir unterhalten uns währenddessen ein wenig. Ich habe dabei kein schlechtes Gewissen. Ich dränge mich auch nicht auf, ihm zu helfen. Manchmal frage ich, ob er Hilfe will, manchmal nicht.
Aber vielen Frauen fällt es schwer, dem Mann machen zu lassen und einfach nur anzunehmen.
Vielleicht fühlst du dich unwohl, wenn er bei einem Date für dich bezahlt. Oder du relativierst Komplimente und tust es ab, wenn dir jemand sagt, dass du in dem Kleid gut aussiehst („ach, das alte Teil…“).
Wenn er dir ein Geschenk macht, sagst du sofort, dass das doch nicht nötig gewesen wäre und bekommst ein schlechtes Gewissen, weil du nichts für ihn hast.
Oder du bist in der Beziehung diejenige, die organisiert, plant und macht, die für alles die Verantwortung trägt und bist irgendwie immer „on“. Und es fällt dir schwer, dich einfach mal fallenzulassen und ihn machen zu lassen.
Anzunehmen ist eine wichtige weibliche Eigenschaft um Polarität in einer Beziehung zu schaffen, aber warum fällt es uns oft so schwer?
Hier sind 7 Gründe:
1. Wert durch Leistung
Viele Frauen haben unterbewusst gelernt, sich ihren Selbstwert zu erarbeiten – durch Anpassung und Leistung. Wenn sie das Gefühl haben, nicht gut genug zu sein, versuchen sie das oft zu kompensieren, indem sie mehr geben oder Dinge runterschlucken, um bloß nicht „kompliziert“ zu wirken.
Wenn dann das Gegenteil passiert und ein Mann gibt, indem er es ihr leicht macht: Er repariert die Vorhangstange, baut den Schrank zusammen, zahlt beim Date für sie, hält ihr die Tür auf und holt sie von Zuhause ab… entsteht innerlich oft Stress, weil sie daran zweifelt, ob sie das überhaupt verdient.
Wenn Frauen kein gutes Selbstwertgefühl haben, fühlt sich Empfangen unangenehm an.
2. Schuldgefühle
Manche von uns hatten eine Erziehung, die viel mit Schuldgefühlen gearbeitet hat. Oft geben zum Beispiel Mütter etwas und haben gleichzeitig (versteckte) Erwartungen. Es kann aber auch jede andere Bezugsperson gewesen sein.
Vielleicht wurde Geld gegeben – verbunden mit der Erwartung, dass man dafür zu Besuch kommt. Tut man das nicht, wird die Mutter traurig, wütend oder es folgt eine andere Form der emotionalen „Bestrafung“.
So lernen wir: „Wenn ich etwas annehme, schulde ich etwas.“ und fassen innerlich den Entschluss: „Ich will niemandem etwas schuldig sein.“ Also hören wir auf, anzunehmen.
Das zeigt sich später oft in Situationen wie im Dating, wenn Frauen nicht annehmen möchten, dass der Mann für sie bezahlt. Weil sofort der Gedanke da ist, sie müssten ihm jetzt etwas zurückgeben – ein weiteres Date, mehr Zeit, Sex.
Und gleichzeitig ist da die Angst, dass es unangenehm werden könnte, wenn sie diese unausgesprochenen Erwartungen nicht erfüllen.
3. Frühe Prägung: „Sei unabhängig. Verlass dich auf niemanden.“
Viele Frauen sind mit Botschaften groß geworden wie:
„Mach dich nie abhängig von einem Mann.“, „Verlass dich nur auf dich selbst.“
Unabhängigkeit ist wichtig, ja. Aber bei vielen leistungsstarken Frauen ist sie eine Überlebensstrategie, die sie vom Loslassen und Zulassen abhält.
Unsere Überlebensstrategien, die uns gut durch unsere Kindheit und Teenagerzeit gebracht haben, schaden uns in Beziehungen. Diese Strategien sind es, die uns später im Weg stehen, wenn wir eine erfüllte Beziehung führen wollen.
Wenn wir also aus einer Hyperunabhängigkeit heraus, alles nur selbst machen wollen, fühlt sich Empfangen wie Schwäche und Ausgeliefertsein, manchmal sogar wie Machtverlust.
4. Kontrollmodus
Viele Frauen kontrollieren in Beziehungen. Kontrolle bedeutet in dem Fall: autark und unabhängig sein, alles selbst zu machen.
Empfangen bedeutet immer auch, sich ein Stück weit auf jemand anderen einzulassen und sich davon abhängig zu machen, dass diese Person zuverlässig ist.
Und das fühlt sich unsicher und ausgeliefert an. Denn wenn ich etwas annehme, gebe ich ein Stück Kontrolle ab. Ich bin darauf angewiesen, dass der andere es gut meint, dass er bleibt, dass er mich nicht enttäuscht oder verletzt.
Und solange Kontrolle mit Sicherheit gleichgesetzt wird, wirkt es logisch, lieber alles selbst zu machen – auch wenn genau das echte Nähe verhindert.
5. Gesellschaftliche Erwartungen
Gesellschaftlich werden uns jeden Tag viele widersprüchliche Erwartungen suggeriert, wie wir zu sein haben: Einerseits sollen wir stark, unabhängig und eigenständig sein, unser eigenes Geld verdienen und bloß nicht bedürftig wirken oder einen Mann ausnutzen.
Gleichzeitig sollen wir aber auch feminin sein, umgänglich, nicht zu viel Raum einnehmen und vor allem nicht „zu anstrengend“ sein. Da ist es schwer, die richtige Balance zu finden. Es entsteht Verwirrung:
„Wenn ich etwas annehme – mache ich mich dann abhängig? Bin ich dann schwach?
Und wenn ich alles alleine mache – bin ich dann zu hart, zu kontrolliert, nicht mehr feminin genug? Wie ist es nun richtig?“
Außerdem kann es der eigenen Identität widersprechen, nach dem Motto: „Ich bin doch stark, da darf ich jetzt nichts annehmen, ich muss alles alleine schaffen“.
6. Das Nervensystem
Empfangen ist ein parasymathischer Zustand, in dem man loslassen und vertrauen muss.
Viele Frauen sind dauerhaft im Funktionsmodus: Sie organisieren, planen, managen (auch emotional andere Menschen), leisten und kümmern sich um andere.
Aber das ist genau der gegenteilige Modus. Dann sind wir im Sympathikus und das schließt sich gegenseitig aus. Im Dauer-Funktionsmodus kann der Körper schlicht nicht empfangen.
7. Falsches Verständnis von Beziehungen und wie Männer Bindung aufbauen
Viele Frauen glauben, dass Männer eine emotionale Bindung aufbauen und eine Frau mögen, wenn sie viel für ihn tut und zeigen, dass sie eine gute (Haus-)Frau sind – also viel geben und wenig fordern.
Sie operieren nach dem Motto: „Geben ist gut, nehmen ist schlecht“ in allen sozialen Beziehungen und tun das, wovon sie denken, dass andere es von ihnen erwarten.
Das ist Overgiving – zu viel geben. Da fast alle Frauen so handeln, fühlt es sich falsch an, das Gegenteil zu tun oder weniger zu geben. Manchmal kann es sogar Konkurrenzängste auslösen: Die Befürchtung, dass er eine andere Frau besser finden könnte, weil sie mehr für ihn tut.
Wie du empfangen lernen kannst
1. Mach dir bewusst, dass ein Mann geben muss, um Bindung aufzubauen
Der letzte Punkt könnte nicht weiter von der Wahrheit entfernt sein. Denn Männer brauchen, um Gefühle für eine Frau zu entwickeln und Anziehung zu empfinden (auch in langjährigen Beziehungen) vor allem Polarität:
Männer müssen der gebende Part sein und in Frauen investieren. Sie müssen sich gefordert fühlen. Und dazu braucht es einen Part, der annimmt und Wertschätzung zurückgibt. Mehr darüber in diesem Beitrag: Wie Männer sich verlieben
Mach dir auch bewusst wie ein Mann sich fühlt, wenn du nicht annimmst, was er dir geben möchte: Wenn wir nicht von Männern annehmen, was sie uns geben (Hilfe, Einladungen, Geschenke etc), weisen wir sie (als Person) zurück.
2. Gib Wertschätzung zurück
Im Coaching sage ich oft, dass es wichtig ist, zurückzugeben, aber nicht in gleicher Währung. Bedeutet, wenn er die Rechnung bezahlt, musst du nicht beim nächsten Mal bezahlen. Wenn er dich von Zuhause abholt, musst du nicht im Gegenzug beim nächsten Mal für ihn kochen.
Geld, Zeit und Aufwand zu geben ist immer die Männerrolle. Aber du sollst als Frau in der weiblichen und nicht der männlichen Rolle sein und etwas anderes zurückgeben, und zwar Wertschätzung. Denn das ist, wofür er es macht.
Er tut es nicht, um beim nächsten Mal eingeladen zu werden oder ein paar Kröten zu sparen. Er tut es, weil er das Strahlen auf deinem Gesicht sehen möchte. Weil er spüren will, dass das, was er für dich tut, etwas in dir bewirkt – etwas Emotionales, nicht Praktisches. Praktische Dinge kann er sich selbst geben.
Aber das Gefühl, das in ihm entsteht, wenn er merkt, dass er dich glücklich machen kann, das kann er nur von dir bekommen, wenn er etwas richtig gemacht hat. Und das ist es, wonach Männer sich sehnen.
3. Empfangen ist nicht Bedürftigkeit
Viele Frauen denken, empfangen hat etwas mit Abhängigkeit oder Bedürftigkeit zu tun. Aber das stimmt nicht. Hier ist der Unterschied: Empfangen bedeutet aus Fülle anzunehmen. Während es Bedürftigkeit ist, wenn du aus Mangel forderst.
Doch ich rede hier nicht von Forderungen aus Mangel. Ich rede davon, ihn das geben zu lassen, was er geben will und dafür Wertschätzung und Freude zu zeigen.
4. Du bist nicht für seine Gefühle zuständig
Löse dich von Erwartungen, Schuldgefühlen und Glaubenssätzen. Gerade Dating ist oft eine harte Schule: sich von den Erwartungen anderer zu lösen, auch mal zu enttäuschen und vor allem bei dir zu bleiben, wenn jemand darauf mit Unverständnis oder Ärger reagiert.
Es geht darum, zu lernen, nicht die Erwartungen der Männer zu erfüllen, die du datest, sondern auf dich zu hören. Und zu tun, was für dich selbst am besten ist. Auch wenn das bedeutet, jemanden vor den Kopf zu stoßen, wenn er mehr Zeit mit dir verbringen möchte, ein weiteres Date möchte, aber du möchtest das nicht, oder wenn er will, dass du zu ihm kommst.
Lass dir keine Schuldgefühle machen, wenn er sich mehr erhofft oder etwas zurückerwartet, das du ihm nicht geben willst. Das ist nicht deine Verantwortung. Du bist nur für dich selbst zuständig – und dafür, ein Nein auszusprechen, wenn du ein Nein spürst.
Geh grundsätzlich davon aus, dass ein Mann dir gerne gibt und nicht aus einer versteckten Erwartung heraus – sonst würde er es nicht tun. Das ist die gesunde Basis. Ungesund wird es erst, wenn daraus ein Aufrechnen entsteht. Und sollte er das tun, dann lass es bei ihm und zieh dir den Schuh nicht an.
Löse dich auch von gesellschaftlichen Meinungen darüber, wie du zu sein hast. Es gibt zu jedem Thema unendlich viele Ansichten und du wirst es niemals allen recht machen können. Musst du auch nicht. Um glücklich zu sein reicht es, wenn du es dir selbst recht machst.
Wenn du also für dich spürst, dass du mehr ins Annehmen kommen möchtest und dass sich eine polarisierte Beziehung für dich stimmig anfühlt, dann geh diesen Weg – unabhängig davon, was andere darüber denken.
Und wenn du merkst, dass dir das schwerfällt, dann kann es sehr wertvoll sein, dabei begleitet zu werden. In meiner WhatsApp-Begleitung im Coaching kann ich oft schon kurzfristig Ängste im Dating nehmen.
Empfangen kannst du lernen
Am Ende geht es beim Empfangen nicht darum, weniger zu tun oder jemand anderes zu werden. Es geht auch nicht darum, plötzlich abhängig zu sein oder die Kontrolle komplett abzugeben.
Es geht darum, wieder Zugang zu einem Teil in dir zu bekommen, den viele Frauen sich über die Jahre abtrainiert haben.
Wenn du beginnst, kleine Dinge anzunehmen, ohne sie sofort auszugleichen oder kleinzureden, wird sich mit der Zeit auch dein Gefühl dabei verändern. Es wird leichter, natürlicher und vor allem entspannter.
Und genau dann entsteht etwas, das viele Frauen sich wünschen, aber oft unbewusst selbst blockieren: Eine polarisierte Beziehung, in der ein Mann gerne gibt und investiert, in der Anziehung besteht und du dich getragen fühlst.
Wenn du dir dabei Unterstützung wünschst: Im Coaching arbeiten wir daran, mehr ins Annehmen und die weibliche Rolle zu kommen. Hier kannst du mir eine Anfrage für ein unverbindliches Kennenlerngespräch schicken.
Alles Liebe,
deine Caroline
letzte Aktualisierung: März 2026
Beziehungs- & Singlecoach
Ich bin Caroline, zertifizierter Lifecoach, und begleite Frauen zu mehr Selbstwirksamkeit und weiblicher Stärke in Beziehungen zu Männern. Im intensiven Einzelcoaching unterstütze ich dabei, hinderliche Muster loszulassen und die Basis für eine erfüllte, glückliche Beziehung zu schaffen.
Ich möchte, dass meine Arbeit bezahlbar bleibt, um dieses Wissen allen Frauen, die daran interessiert sind, zugänglich zu machen. Viele Coaches verlangen für dieselbe Arbeit wie ich das Zehnfache – ich weiß es, weil ich von ihnen gelernt habe.
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